Buchauszug, nur für Euch

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In unserer Clique war ich stets auch irgendwo der Tagträumer und Querdenker. Was in bekifften Abendrunden am Philosophietisch manchmal für viel Aufregung sorgte. Malte, einer der Gitarristen meiner Band, hatte einen umgebauten Speicher im Elternhaus als sein Eigen nennen dürfen. Seine Eltern waren Althippies und eigentlich sehr liberal in ihrer Erziehung. Von daher machte der süßliche Grasduft, welcher an Wochenenden regelmäßig aus der Bude von Malte ausströmte, seinen Eltern nichts aus. Malte, war der alternative Rastamann in unserer Clique und hatte bis zu seinem Biologiestudium seine Dreadlocks fleißig gezüchtet.

An einem dieser Wochenenden kam nach einigen Bier und etlichen durch die Runde gereichten Joints, die Grundsatzdiskussion zum Thema Sex auf. Ich konnte wieder meine Fresse nicht halten, als Sascha, der sich zum Schnorrekiffen und Saufen mal wieder selbst eingeladen hatte, sich anfing mit seinen Sexgeschichten zu profilieren. Aus seinem Mund kam nur – sein toller Schwanz hier, sein geiler Schwanz da. Schwanz, Schwanz, Schwanz. Ich war ziemlich dicht, lag auf dem Teppich vorm Opiumtisch gegenüber dem Sofa und hatte meine Augen die ganze Zeit geschlossen gehabt, um zumindest seine blöde Fresse auszublenden. Als ich ihn da so selbstherrlich von seinem Schwanz reden hörte, fiel mir auf, dass seine Ausführungen ziemlich schwul im Grunde klangen. Wer seinen Schwanz so überdimensional geil findet – warum dann nicht auch den eines anderen?!

Nüchtern hätte ich wahrscheinlich meinen Mund gehalten und vermutlich wären meine Gedanken in meinem Kopf geblieben. „Sascha, du scheinst ja deinen Schwanz ziemlich geil zu finden. Findest du eigentlich auch andere Schwänze geil, wenn die so sind wie deiner?“ fragte ich und jeder in der Runde musste lachen, weil ich Sascha damit aus dem Konzept gebracht hatte. Er fing an zu stottern und meinte, das sei ja was ganz anderes. Es gäbe einen Unterschied zwischen dem eigenen Penis und dem Penis eines Anderen. An der Stelle benutzte er schon den Begriff „Penis“ und nicht mehr „Schwanz“. Ich wandte ein, dass sie beide gleich funktionierten und hatte die Lacher auf meiner Seite. Sascha hatte ziemlich zu kämpfen, als Malte einwandte, dass ihm ebenfalls bei seinen Ausführungen aufgefallen war, wie häufig er das Wort Schwanz benutzt hätte. Man wisse gar nicht so richtig, ob er mit seinem Schwanz jemals in einer Vagina gelandet wäre, meinte Malte. An der Stelle lachten alle und Sascha bekam einen hoch roten Kopf.

Ich hatte seine Selbstherrlichkeit, was Mädelsgeschichten anbetrifft, einfach satt. So der tolle Macker war Sascha nicht. Er spielte Fußball im Verein und ganz ehrlich – die meisten Mädels, die ich kannte, fanden ihn dumm und nervig. Obwohl ich auf der Fachhochschule für meinen Scenestyle für schwul gehalten wurde, traf das zu Schulzeiten nicht zu. Durch mein Bandgedudel und die Tatsache, dass etwas später alle Teeniemädchen Tokio Hotel (eine totale Scheißband im Übrigen) gut fanden, hatte ich nie mir eine Freundin suchen müssen. Sie hatten mich irgendwie immer gefunden. Bei Auftritten, bei Partys oder Disco. Die Tatsache, dass ich irgendwie anders war und dachte, war mir aber schon immer bewusst. Vielleicht hinterfrage ich vieles zu sehr und einiges zu wenig. Vielleicht denke ich manchmal zu wenig und manchmal zu viel über Dinge nach. Jedenfalls war an dem Abend bei Malte, auch Maltes älterer Bruder dabei. Lasse war beim Bund. Er hat sich dort zum Ärger seiner Eltern verpflichten lassen. An dem Wochenende hatte er frei.

Mirko spann seine wirren bekifften Gedanken an dem Abend natürlich noch weiter. Sascha ist ja noch lange nicht gegangen, hatte lediglich aufgehört zu reden und klammerte sich eisern an seine halbleere Bierflasche. Ich stellte die Frage in den Raum, ob man schon von „schwul“ sprechen könne, wenn man sich zwar nicht gegenseitig, aber beim Pornogucken, einen wichst. Ihr merkt an der Stelle, wie breit ich gewesen sein muss, um solche harten Thesen in einer fast reinen Jungenrunde mit knapp 16 auf den Tisch zu bringen. Naja – wie dem auch sei. Wir spaßten und ritten weiter auf dem Thema rum, weil Sascha noch immer nicht freiwillig gegangen war. Jan setzte dem Ganzen einen drauf, in dem er sich bei mir in den Schoss legte und meinte, dass aufgrund der guten Freundschaft, wenn wir die Letzten auf der Welt wären, er mir auch einen blasen würde. Marco, der Sänger meiner ersten Band, meinte, dass er da mitmachen würde und steckte mir seine Zunge ins Ohr. Das machte Marco zu dem Zeitpunkt bei jedem, weil er es lustig fand, wie angeekelt alle reagierten. Er war der Quotenpunk der Clique und benahm sich gerne wie Johnny Rotten in besten Jahren, sah auch so aus, sang aber deutlich besser. Ich schubste den blöden Penner angewidert weg. Sascha hatte genug, stand auf, sagte „ihr seid scheiße“, ging und kam nie wieder!

Als ich mir mein Ohr mit dem Ärmel meines Longsleeves trocken wischte, traf sich mein Blick mit Lasses Blick, welcher mir gegenüber auf den Sofa saß. Er war leicht nach vorn gebeugt, schaute mich etwas verträumt an und lächelte komisch. Ich lächelte zurück und irgendetwas war in dem Augenblick passiert. Irgendwie wusste ich, dass sein Lächeln in irgendeiner Form, die Gedanken in mir traf, welche ich stets hatte, wenn ich an Brian Molko dachte. Die Gedanken kreisten nämlich nicht ausschließlich darum, sich möglichst so zu kleiden wie er, sondern gelegentlich auch durchaus darum, wie es wäre ihn zu küssen. Gelegentlich gingen die Gedanken auch weiter als küssen, aber ich dachte mir nicht viel dabei. Lasse schaute derweil immer noch in meine Richtung und sein Grinsen wurde etwas breiter. Ich schaute ihn an und grinste aber nicht. Er schaute zu Boden, stand vom Sofa auf und sagte, dass er sich noch ein Bier holen werde. Die Gruppenunterhaltung ging aber nun mehr darum, wie blöd Sascha geguckt hatte als er ging. Einige äfften sein „ihr seid scheiße“ nach und der Tenor schwappte dazu über, sich darüber lustig zu machen, dass Sascha eventuell schwul sein könnte. Das war auch der Grund, weshalb ich bis dahin niemandem von meinen Freunden etwas über meine tiefgründigen Gedanken zu Brian Molko eröffnet hatte. Ich wusste aber schon ganz gut darum, dass uns mehr als das Styling, die Musik und unsere Bänkerväter verbunden haben. Nur darüber mit jemandem reden, ist eine andere Sache und mit meinen Eltern ohnehin nicht. Meine Eltern waren schon mit der Tatsache überfordert, dass ich oder meine Schwester überhaupt Sex haben könnten.

Lasse hatte sich jedenfalls nach dem Bierholen an dem Abend nicht mehr blicken lassen. Einige Wochen später, war er wieder mit von der Partie, aber nur ganz kurz. Er hatte mich gesehen, mich kurz gegrüßt und ist danach ohne mich anzusehen auf seinem Zimmer verschwunden, welches im ersten Stock war. Ich fand das irgendwo schade, ertränkte aber diesen Gedanken mit ein Paar Bier.

Das zusätzliche Klo, welches zu Maltes Bude gehörte, befand sich auf der Zwischenetage zur ersten Etage. Ich war auch an dem Abend zum Schluss ziemlich angedröhnt. Die Bude bei Malte war wieder mal voll und verraucht. Kurz vor Monatsende, hatte keiner mehr Kohle, um großartig raus zu gehen. Also plünderte man die Weinkeller und Barschränke der Eltern und traf sich bei Malte, um alles brüderlich und schwesterlich miteinander zu teilen. Reste vom Taschengeld wurden gesammelt für einen Gang zum örtlichen Grasdealer. Ein sehr soziales Miteinander.

Als ich angedröhnt vom Klo kam, ging bei Lasse die Zimmertür auf. Lasse stand in Jogginghose und Muskelshirt in seiner Tür. Vom Typ her entsprach er dem jungen Dave Gahan auf seiner 101 Tour (cooler Typ, aber Scheißmusik). Lasse fragte mich, ob oben alles schon weggekifft war. Ich bejahte. Er fragte, ob die Luft da oben nicht zu verqualmt sei. Er war Nicht-Raucher. Ich zu dem Zeitpunkt auf dem besten Weg dahin. Ich meinte zu ihm, dass es schon ziemlich stickig dort wäre und mir der Schädel langsam dröhnt. Er fragte, ob ich bei ihm abhängen wollen würde, er hätte noch Muffins über, die seine Mutter gebacken hatte. Ich sagte „warum nicht…“ und ging auf ihn und seine Zimmertüre zu. Er ging nicht rein und auch nicht zur Seite, so dass wir, als ich bei seiner Zimmertür angekommen war, uns einander gegenüberstanden und in die Augen schauten. Er hatte hellbraune Augen und schaute mich wieder so an, wie an dem einen Abend. Und mir war es nicht unangenehm.

Er ging einen Schritt zurück in sein Zimmer, so dass ich durch die Zimmertür konnte und schloss die Tür hinter mir. Ich drehte mich zu ihm um. In seinem Zimmer brannte lediglich die Schreibtischlampe. Seine Augen funkelten in dem gedämmten Licht als er mich anlächelte. Ich grinste ihn an und da zog er mich auch schon mit seinem rechten Arm an sich und drückte seine Lippen auf meine. Während dessen schaute er so verträumt, wie an dem Abend in meine Augen. Ich erwiderte seinen Kuss und hörte, wie er seine Zimmertür mit seiner anderen Hand mit dem Schlüssel abschloss, während seine andere Hand mich fest an der Hüfte packte. Ich legte meine Hände auf seine Brust, während wir uns weiter küssten. Es war irgendwie strange, aber auch schön zugleich. Ich hatte noch nie ein Mädchen auf Augenhöhe küssen können, weil sie alle kleiner als ich waren. Und Lasse fühlte sich irgendwie gleich an wie ich, aber doch anders. Ich kann das schlecht erklären, aber es war anders, als mit einem Mädchen zu knutschen. Dennoch gleichsam unbeschreiblich schön und aufregend.

Wir umarmten uns und küssten uns immer wilder und schauten uns fast die ganze Zeit in die Augen. Seine Arme wanderten während dessen über meinen Rücken, meinen Hintern, meine Oberschenkel und seine Lippen über meine Wange zu meinem Ohr. Er flüsterte, ob ich so etwas schon mal gemacht hätte und aus mir kam mit einer Stimme, wie zu besten Stimmbruchzeiten ein „Nein“ raus. Er stockte, ging einen kleinen Schritt zurück, schaute mich an und lächelte. Nahm mich an beiden Händen und meinte „Komm“. Er zog mich in Richtung seines Bettes auf dem wir versackten und dort weiter machten, wo wir zuvor aufgehört haben.

Ich habe in dem Augenblick einfach nicht weiter nachgedacht. Ich habe mich mitreißen lassen, war neugierig, inwiefern meine Vorstellung davon einen Jungen zu küssen und mehr, sich für mich gleichsam schön und angenehm anfühlen würde, wie in meiner Fantasie. Und das war es. Es war sogar noch viel schöner, als ich es mir vorgestellt habe. Lasse war sehr zärtlich und einfühlsam. Aber viel direkter, als es eines der Mädchen gewesen wäre, mit welchen ich zu dem Zeitpunkt meine ersten Erfahrungen gesammelt habe. Als wir auf dem Bett einander zugewandt lagen, tastete sich seine Hand entlang meines Körpers in meine Hose. Bei Mädchen musste ich immer den ersten Schritt in diese Richtung unternehmen, bevor sie auf die Idee kamen mich am Schwanz anzufassen, geschweige denn ihn sofort in den Mund zu nehmen. Mit Lasse war das anders. Was ich sehr genossen habe. Auch Lasses Schwanz in meinen Mund zu nehmen, empfand ich nicht als unangenehm. Er schmeckte anders, als ein Mädchen. Klingt jetzt blöd, aber Frauen und Männer riechen unterschiedlich. Der Körperduft ist bei Männern meist würziger, als bei Frauen – insbesondere im Intimbereich.

Es sollte nicht bei dem einen Abend bleiben. In den nachfolgenden fast zwei Jahren hatte ich mich zwischenzeitlich immer wieder mit Lasse getroffen, wenn ich nicht mit einer Kurzzeitfreundin zu dem Zeitpunkt zusammen war und er zu Hause gewesen ist. Erst als ich mit Anna zusammen kam, haben unsere Treffen aufgehört. In Anna hatte ich mich zum ersten Mal richtig verschossen. Das mit Lasse und den anderen Mädels war das mehr Sympathie und Neugierde aufeinander. Hormone mehr nicht.

Lasse hatte sich wegen seines Jobs nie groß öffentlich geoutet. Seine Karriere war ihm viel wichtiger und als offiziell schwuler Soldat, hätte er die Karriereleiter sicherlich nicht so schnell und so weit erklommen. Seine Eltern konnten ihn nicht verstehen. Das Verhältnis zwischen ihm und seinen Eltern hatte sich jedoch etwas entspannt, als er zumindest ihnen und auch Malte, sowie seiner Schwester, gesteckt hatte, dass er glaubte schwul zu sein. Seine Eltern konnten besser mit einem schwulen Sohn leben, als mit einem Soldaten als Sohn. Trotzdem hatte Lasse ca. 10 Jahre nach unserem ersten Abend, eine Frau geheiratet, mit der er einen Sohn hat. Durch die vielen Auslandseinsätze sieht er allerdings seine Frau und sein Kind nicht häufig im Jahr.

Zu der Aussprache zwischen Lasse und seiner Familie kam es, nach dem Lasse mich an einem Wochenende besucht hatte und meine Eltern widererwartend eher vom Einkaufen nach Hause kamen. Ich war mit Lasse so beschäftigt, dass wir beide gar nicht mitbekommen hatten, als sie mit dem Auto in unsere Garage gefahren und ins Haus gekommen sind. Als mein Vater die Tür zu meinem Zimmer öffnete ohne zu klopfen, war ich gerade dabei Lasse von hinten zu beglücken. Man Vater ist ausgerastet….
Mehr dazu bald in meinem E-Book.

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