Das Leben und Treiben der Sensazione. Der Versuch einer Beschreibung…

Wie ich zu meinem „neuen, jetzigem“ Leben kam…

Ich weiß, dass es einige interessiert, andere mich wiederum dafür verurteilen, warum ich so lebe wie ich lebe.

Nun versuche ich mich einfach mal zu erklären. Wohlgemerkt erklären, nicht rechtfertigen.
Denn rechtfertigen werde ich mich nicht mehr.
Mein Leben ist nun das, was ich mir durch viele Einbußen erschaffen und dennoch gewünscht habe.

Fange ich einfach mal an. Ich werde absichtlich nicht groß über meine Ehe schreiben, sondern nur über meine Gedanken und Meinung.

Mein „Ja“ zur offenen Beziehung.

Schon früh merkte ich, dass ich viele „das muss so sein, das war schon immer so“-Statements nicht auf mich beziehen konnte.
Dieses Haus/Baum/Kind/Lebensversicherung/Lebensende-Ding war nicht meines. Natürlich habe ich ich einiges davon. Gewollt.
Gut, gewollt war im Grunde „nur“ das Kind ( und das sehr ), der Rest war erzwungen, weil es sich ja gerade so positiv anbot, Lebenssicherheit gab. Doch ich wollte immer mehr, anderes.
Ich wollte ein UNS, ein Leben, in dem man spontan und offen sein kann. Nicht an einen Ort gebunden, frei entscheiden können und die Konsequenz dieser Entscheidung auch zu leben.
Im Glücksfall mit einem Partner, der genauso tickt.

Meine Lust, meine Sexualität, dieses tolerieren vielen Dingen gegenüber kam schon sehr früh. Ich habe mich damals aber nicht ausgelebt. Warum auch immer.
Vielleicht war es auch bei mir primär das Denken, dass es nichts anderes geben kann oder darf.
So etwas gab es in meinem gutbürgerlichem Umfeld nicht.

Nun aber ist es so, dass ich mein ICH lebe. Und ich bin sehr dankbar dafür, mir selber, meinem Mut, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Den Schritt weg von der Sicherheit in ein Leben das mich widerspiegelt.

Warum?

Nun….

Ist es nicht so, dass Partnerschaften überwiegend deswegen auseinander gehen, weil einer – vielleicht auch beide – sexuelle Wünsche haben, die sie sich nicht zu äußern trauen?

Dann kommt vielleicht irgendwann der Moment wo es dazu kommt, dass man die Gelegenheit nutzt. Gewollt oder ungewollt.

Wie schön in diesem Moment, wie schade für die Partnerschaft!

Diese Partnerschaft, in der man ein Team ist, sich blendend und blind versteht. Ein Vertrauen, dass über Jahre gewachsen ist.

Wenn nur der langweilige Sex nicht wäre…..

Ich nehme mal die Menschen aus, denen Sex nicht so wichtig ist. Oder auch diese, die gegenüber Reizen von außen augenscheinlich immun sind. Ich schätze das, akzeptiere und respektiere es, verstehen aber kann ich es nicht.
Denn oftmals ist es auch nur eine Art Faulheit wieder zu leben.
Und die Angst vor Neuem. Natürlich hat man Einbußen, doch was ist materielle Sicherheit wert, wenn deine Persönlichkeit verkümmert?

Meine zwei Partner, mit denen ich nach meiner Trennung zusammen gekommen bin, die ich liebte und auf die ein – oder andere Art immer noch liebe weil sie großartige Menschen sind – , waren gänzlich gegensätzlich meines „Beuteschema´s“. Das, worauf nur mein Körper reagiert.
Ja, da lasse ich wohl einfach mein Gefühl regieren. Was auch wichtig und absolut richtig ist.

Ich bin sehr gefühlvoll, man mag es vielleicht nicht glauben aber jegliches Gefühl ist für mich Leben und ohne Gefühl stirbt nicht nur die Seele.

Doch mein Blick ging durchaus immer noch zu denen, die ich einfach vom Äußeren mag.

Das tat meiner Liebe zu meinem Partner dennoch keinerlei Abbruch.

Während meiner Trennung schon begann ich darüber nachzudenken was ich wirklich wollte. All meine Versuche, vorher unser Liebesleben in Schwung zu bringen, schlugen fehl. Selbst die Träume eines (fast) jeden Mannes zu realisieren, wurden nur mit einem müden Lächeln quittiert. Keine Chance…

Ich bin sehr sexualisiert, klar, das erkennt man unschwer an meinen „Erinnerungen“ auf dieser Website. Aber diese Sexualität zeigt sich in vielen Facetten.
Mein Mann ist mein Mann.
Ich liebe ihn und egal was vorher und auch mit ihm zusammen nebenher lief, das ficken mit ihm ist gänzliche Befriedigung. Das verschmelzen miteinander, die Zusammengehörigkeit, das mischen zweier Seelen.

Deswegen auch immer der Sex mit ihm danach. Nach Clubbesuchen oder Spaß mit anderen. Das eine ist die Auslebung der Gier, der Lust auf fremde Haut, das benutzen des „Spielzeuges“, das andere die Liebe, diese Innigkeit, die mir ausschließlich mein Mann geben kann und die ich genauso erwidere.
Nun ja, zurück zu den Anfängen. Ich habe also irgendwann den Schritt gewagt und bin in eine Club gefahren. Alleine.

Es war nett, aber längst nicht so wie ich es mir erwünscht habe. Zuviel Auswahl macht direkt satt. Wie beim Buffet.
Hausmannskost meets haute cuisine.
Nettes, oberflächliches Geplänkel treffen auf Intellekt, Tanz auf vögeln, alter Schweißgeruch auf frischen Lustgeruch.
Man stellt sich immer ein Moloch der Lust vor, jeder mit jedem, alles fällt übereinander her und geht zutiefst befriedigt nach Hause.
Das ist nicht so.
Du kannst Glück haben aber genauso oft fährst du wieder, weil es einfach nicht passte. Dann unterhälst du dich eben einfach nur nett.
Das hat natürlich auch damit zu tun, dass ich anspruchsvoll bin. Mir ist einiges sehr wichtig, was selbst ein temporär sexueller Partner vorweisen muss.


Dieser Abend war dann nun nicht das, was ich mir erwünscht hatte, ich war aber dennoch um eine Erfahrung reicher. Man muss eben Auslese betreiben und auch mal länger fahren, um auf ein für sich geeignetes Publikum zu stoßen.

Trotzdem war mein Ehrgeiz, mich auszuleben, geweckt.

Ein Glücksfall war mein erster Partner nach meiner Ehe. Er lebte offene Beziehungen. Lange habe ich mich damit auseinander gesetzt um schlussendlich zu verstehen was diese Art der Beziehung bedeutet.

Alles zu teilen, sich und seine Partnerschaft zu leben und das, was in den meisten Fällen zur Trennung führt, einfach zu eliminieren.

WOW, welch Erkenntnis!

Was bitte, kann einem dann noch passieren? Nur noch das wirkliche „nicht zueinander passen“, das auseinanderleben, aber nicht mehr ein Fehltritt, das kurze Überschwappen der Lust, dieses Fremdgehen.

Welch ein Gewinn!

Das meine ich ganz ehrlich. Dieses ausschalten der Alltäglichkeit, dieses Hintergehen, den Vertrauensbruch, der so unglaublich schmerzt und was ich auch kenne.

Weg!

Das bedarf natürlich vieler Gespräche, Regel- und Einigungen.

Alles immer zusammen.
Keine Alleingänge außerhalb des Club´s, keine Zweitbeziehung. Kein „sich aneinander gewöhnen“, kein Austausch privater Dinge ;-), keine Küchenschlacht.

So waren unsere Prinzipien.

Im Club oder sonst wo kann jeder auch mal ohne den anderen in einem Raum seinen Spaß haben aber das Credo heißt:
Zusammen den anderen gehen und fallen lassen.

Da bin ich zur Abwechslung mal spießig.

Der unglaublich blöde Swingerspruch: „Alles kann, nichts muss“ stimmt nicht zu 100%. Natürlich kann einiges…aber eben nicht alles.
Vögeln, sich die Seele aus dem Leib ficken, Gangbang oder Sandwich, Bi-Spiele oder Fetisch….JA!
All das, was man vielleicht nicht erfüllen kann oder möchte.

Einfach dem anderen seine Wünsche ermöglichen.

Aber bitte geht zusammen nach Hause.
UND…legt Grenzen fest.
Richtlinien. Einen Rahmen, in dem man agieren kann.

Ich habe es mehrmals erlebt dass Eifersüchteleien dort aufgetaucht sind. Sei es, weil die Damen über zu wenig Selbstbewusstsein verfügten, oder aber auch weil die Männer sich überschätzt haben.

Schlecht. Ganz schlecht!
Sie sind einfach beim ersten Male zu weit gegangen.

Eine offene Beziehung ist nichts, womit man seine Ehe retten kann. Ganz im Gegenteil! Man kann sie bereichern.

Und wenn man merkt (soviel Feinfühligkeit sollte man, trotz aller evtl. aufkommender Geilheit noch haben) dass der Partner sich unwohl fühlt, sofort stoppen!

Bei mir war es komischerweise direkt anders. Ich konnte meinen Partner gut dabei sehen, wie er andere Frauen fickte, ihnen zum Orgasmus verhalf.
Vielleicht war es das Vertrauen, dass er es schon länger lebt, Gefühl und Sex unterscheiden und trennen kann, oder aber auch weil wir nicht erst nach 20 Jahren damit angefangen haben. Wahrscheinlich alles zusammen.

Nichts ist schwieriger, als dem Partner nach langen Jahren zu sagen, dass man sexuell unzufrieden ist, Wünsche hat. Man möchte nicht verletzen oder ihm das Gefühl geben, dass er einem nicht reicht.

Als ich es in meiner Ehe ansprach, wurde es zwar gefasst aufgenommen, aber auch direkt ausgeschlagen.

Nun gut, das WIE, WANN und OB muss jeder für sich entscheiden.

Wer sich nun fragt warum diese Partnerschaften auseinander gingen, dem sei gesagt…es waren andere Dinge, die dazu führten.
Trotz allem habe ich mit ihnen noch ein ausnehmend gutes Verhältnis. Das basiert auf Respekt und dem Gefühl etwas wirklich tolles miteinander geteilt zu haben.

Vielleicht liest sich das hier durcheinander, literarisch eindeutig als ne Vollnull zu sehen und nicht sehr chronologisch. Aber so bin ich.
Gedankenblitze, chaotisch im Kopf aber immer mit dem Herzen dabei.

Außer beim Partnertausch.

Denn da kannst du über meinen Körper verfügen…
….mein Herz und meine Seele aber bekommt nur der Eine!

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8 Kommentare

  1. interessant geschrieben macht aber auch neugierig. neugierig mit dir zu reden, dich erleben weit weg von bett coutsch und sofa einfach dich als persoenlichkeit erleben.

  2. Liebe sensazione … Dein Leben ist gewiss nicht meine Art, wie ich leben wollte. Aber es ist deutlich zu lesen, dass es genau die Art ist, die Dich glücklich macht. Ein Urteil über die Lebensweise anderer steht sowieso niemandem zu. Was mir auf jeden Fall sehr gefällt, dass Du mit Deinem Partner klare Absprachen hast, dass nicht einfach jeder für sich etwas alleine macht. Der Respekt, den ihr füreinander habt findet sich gewiss noch lange nicht in jeder Beziehung.
    Ich fand es sehr interessant in Deinen Kopf sehen zu dürfen. Danke dafür.

    1. Du sagst exakt das aus, was ich damit sagen möchte. Jeder so wie er möchte, jeder sollte so leben können wie er möchte.
      Kein urteilen, nur Akzeptanz.
      Danke für diesen wunderbaren Kommentar!

  3. Guten morgen meine Liebe Sensatione. Du schreibst dir von der Seele was anderen bestimmt so schwer fällt. es ist gut das du deinen weg gefunden hast. ich kann da nur zustimmen den Sex gemeinsam zu leben aber dies geht halt nur durch Gespräche welche manchmal nicht einfach sind.
    ich wünsche dir noch viele geile Momente mit deinem Partner

    1. Nein, das ist sicher nicht einfach. Nicht, wenn man diesen Weg erst nach Jahren gemeinsamer Zweisamkeit gehen möchte. Aber ein ehrliches Gespräch und auch das Vertrauen, es einfach mal auszusprechen, sollte der Partner zu schätzen wissen.

  4. Das ist einfach nur großartig beschrieben und geschrieben. Es gibt da so Sätze wie

    “Was bitte, kann einem dann noch passieren? Nur noch das wirkliche „nicht zueinander passen“, das auseinanderleben, aber nicht mehr ein Fehltritt, das kurze Überschwappen der Lust, dieses Fremdgehen.”

    “Ich liebe ihn und egal was vorher und auch mit ihm zusammen nebenher lief, das ficken mit ihm ist gänzliche Befriedigung. Das verschmelzen miteinander, die Zusammengehörigkeit, das mischen zweier Seelen.”

    “Eine offene Beziehung ist nichts, womit man seine Ehe retten kann. Ganz im Gegenteil! Man kann sie bereichern.”

    die werfen mich in ihrer Klarheit und Wahrheit geradezu um.

    Auch wenn ich das so wie Du leider (noch?) nicht leben kann.

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