Erfüllte Träume

Autorin/Blog

„Du willst benutzt werden?“                      Seine Augenbrauen haben sich zusammengezogen, die dunklen Augen mit den extralangen Wimpern sind zu engen Schlitzen geworden.
„Ja.“ Ich strenge mich an, damit er das Zittern nicht hört. Dieses blöde, ängstliche Zittern, das ich jedes Mal überwinden muss, wenn ich ihm einen meiner Träume eingestehe.
Ich habe keine Angst vor ihm. Natürlich nicht. Er schlägt mich, klar, aber nur so fest, wie ich es vertrage. Na gut, noch ein kleines bisschen weiter. Weil ich nur so weiterkomme, wie er sagt. Ich weiß es. Würde es alleine nach mir gehen, wäre ich immer noch bei den Streicheleinheiten mit diesem sanften Flogger, der kaum mehr kitzelt als Straußenfedern.
Angst habe ich trotzdem. Vor seiner Reaktion. Vor meinem eigenen Mumm. Ich bin nicht gut im Wünscheaussprechen. Gar nicht gut. Aber er bringt es mir bei. Hat es mir schon beigebracht, sonst hätte ich ihm diesen Wunsch ja nicht erzählt. Nie und nimmer.
„Wie sehr?“
Das ist eine gute Frage. Ich beiße auf meiner Unterlippe herum, während ich darüber nachdenke. Vor meinen Augen blitzen Bilder auf, von denen ich ihm nicht erzählen werde. Eine Horde Trucker, die mich einer nach dem anderen benutzt. Ein Trupp Biker, die mich nicht nur durchficken, sondern auch für sich tanzen lassen und mich mit Bier abfüllen. Wrestler, Boxer, eine Straßengang. Immer viele Männer, grobe Männer, große und muskulöse Männer.
Traummänner. Wo gibt es die schon? Und ist nicht eigentlich egal, wie sie aussehen? Es geht ja nicht um Äußerlichkeiten, sondern um die Demütigung, diese absolute Unterwerfung unter den Willen fremder Männer.
„Du musst es aussprechen. Das ist eine große Sache, weißt du. Eine einmalige Sache. Nichts, was ich für dich organisiere, nur weil du diesen träumerischen Blick draufhast, der mir sagt, dass du schon davon träumst.“
Er hat Recht. Ich muss es aussprechen. Er besteht immer darauf, dass ich es ausspreche. Nur wenn ich völlig abgehoben vor ihm schwebe, sabbernd, geil, nass, ist er bereit, nach seiner eigenen Entscheidung den nächsten Schritt zu machen. Inzwischen kennt er meine Zeichen, versteht mein wortloses Flehen. Wir spielen nun schon eine Weile zusammen. Nein, genau gesagt, spielt er mit mir. Ich würde mir nie erlauben, mit ihm zu spielen.
Ich schaue ihn an und immer noch rattert es in meinem Kopf. Wird er danach noch mit mir spielen wollen? Wird es ihn abstoßen? Eigentlich hat er nichts dagegen, wenn jemand anders mich bespielt. Es ist noch nicht so oft vorgekommen, aber es ist vorgekommen. Einmal bei ihm zuhause und einmal im Club. Besonders das Mal im Club hat mich angefixt, hat meine Fantasie ins Kraut schießen lassen. Ja, genau wie Unkraut auf einer ungepflegten Wiese. Du weißt nicht, wo es herkommt. Es taucht einfach auf, in Massen, in jeder Ritze, auf jedem Millimeter, wo Platz ist oder auch nicht. Macht sich breit, vermehrt sich, überwuchert alles, unterdrückt alles andere. So ging es mir mit dieser Idee.
Nicht, dass sie neu gewesen wäre. Immer schon simmerte sie irgendwo in den Tiefen meines Hirns, tauchte auf bei Schlüsselwörtern wie Gangbang oder eben … benutzen. Dann zieht sich alles in mir zusammen, mein Herz macht einen Satz und da ist er, dieser Glutball im Zentrum, sendet Blitze aus als wäre er aus einem Science Fiction-Film entkommen, verspricht endgültige Erlösung und zugleich Zerstörung allen Lebens.
Ist es das? Was wird es sein, Zerstörung oder Erlösung? Wie kann ich das wissen? Wer kann es wissen?
„Wie ist das, wenn man einen Traum wahr werden lässt? Was kommt danach?“
„Du meinst, ob es dir gefallen wird oder nicht?“
„Nein, ich meine, was ist, wenn der Traum erfüllt ist? Wenn es kein Traum mehr ist? Wovon träume ich dann?“
„Mit etwas Glück träumst du von dem, was du erlebt hast. Wenn du Pech hast, ist es ein Albtraum.“
Er zieht an der Klammer, die meinen Nippel umschließt, bis mir ein scharfer Schmerz direkt ins Zentrum fährt. Ich stöhne und schließe für einen Moment die Augen. Aber die Ablenkung hält nicht lange an. Zu wichtig ist mir dieses Gespräch. „Du meinst, es kann zu einem Albtraum werden? Würdest du mich nicht retten?“
Mit einem Grinsen zieht er so fest, dass die Klammer abrutscht, was genau die richtige Mischung aus Schmerz und Lust auslöst. „Wenn du mir ein Zeichen gibst, dass du gerettet werden willst, werde ich es tun. Bei solchen Szenen ist das schwierig zu erkennen.“
„Du hast so was also schon mal gemacht?“
„Nicht mitgemacht, sondern organisiert. Ich kenne da ein paar Typen, die dir gerne aushelfen.“
Klar, das kann ich mir vorstellen, dass es genug Männer gibt, die da mitmachen wollen. Aber jetzt, wo mein Traum diesen Schritt aus der Dunkelheit in das Zwielicht gepackt hat, kommen ernste Zweifel. „Du könntest sie also zurückhalten, wenn sie zu weit gehen wollen?“
„Was ist zu weit für dich? Was ist zu weit beim Benutztwerden?“
Die Frage aller Fragen. Heißt sich benutzen zu lassen nicht auch, keinen Einspruch zu erheben? Keinen Willen zu haben und vor allem nicht zu äußern? Mich ihnen ganz zu überlassen? Aber Männer können mehr tun als ficken, sie können weitaus schlimmere Schmerzen erzeugen, als es mir je lieb sein dürfte. Siekönnten mich töten. Theoretisch. Wer weiß, was aus ihnen herausbricht, wenn man zulässt, dass sie die zivilisierte Haut abstreifen.
Ich schlucke heftig. „Was, wenn sie mir richtig wehtun? Könntest du das auch verhindern?“
Die Rädchen hinter seiner Stirn klicken. „Du willst also eine Art von Kontrolle behalten? Damit sie nicht zu weit gehen können? Mh. Ich hab da eine Idee …“
Die er mir nicht gleich verrät. Zuerst nimmt er den Rohrstock und sorgt für ein Streifenmuster auf meinem Hintern, das ich aber erst viel später bewundern kann. Dann muss ich ihm aus der Hand essen. Das hat er noch nie getan. Er ist heute eine Spur härter als sonst. Damit meine ich nicht seinen Schwanz, der ist genauso hart und steht so lange wie sonst auch. Nein, er führt mich mehrmals über meine Limits hinaus. Noch einen Schlag mehr und noch einen. Erwartet, dass ich noch demütiger bin als sonst, noch mehr bettle und schluchze und ihn um einen Fick und endlich auch um einen einzigen Orgasmus bitte. Das Gespräch hat ihn auch angemacht, hat jetzt schon Grenzen verschoben.
Das gefällt mir. Er soll sich nicht zurückhalten. Ich vertraue ihm ganz. Genauso ist mir klar, dass ich eben Fremden nicht so trauen kann, nicht darauf hoffen kann, dass sie aufhören, nur weil ich es mir auf einmal anders überlege. Oder dass sie auf eine Aufforderung von ihm aufhören.
„Es gibt eine Alternative. Dabei wirst du benutzt. Ein reines Fickloch, sonst nichts. Willst du das?“
„Keine Szene? Nicht schlagen, nur ficken?“
„Genau. Da es nur ums Benutzen geht, müsste das doch reichen, oder?“
Er hat Recht. Ich will keine ausgefeilte Szene spielen. Die Tatsache, dass da Männer auftauchen, die mich einfach nur ficken wollen, ist eine Szene, ist mehr, als ich jemals im Club ausprobieren würde.
Auf einmal ist alles klar. „Ja, das will ich. Bitte organisiere das für mich.“

Der Abend ist da.
Schmier dich gut, hat er gesagt. Auch wenn du glaubst, feucht genug zu werden. Es dient zu deinem Schutz. Also reinige ich nicht nur den Darm, sondern führe auch in beide Öffnungen eine große Menge Gleitgel ein. Better safe than sorry. Ein ziemlich doofer Spruch in diesem Zusammenhang.
Es geht nicht in den Club, sondern in eine Halle im Industriepark. Ein leerer Parkplatz, eine quietschende Tür, der Geruch nach Motoröl und irgendwelchen Chemikalien. In einer Ecke ist ein kleiner Raum abgetrennt, in den er mich führt. Hier steht ein Pranger, wie ich ihn kenne. Noch ist mir nicht klar, wie das Ganze ablaufen soll. Er zeigt mir ein Loch in der Wand. Es hat bestimmt dreißig Zentimeter Durchmesser. Soll ich da durchkriechen, oder was?
„Zieh dich aus.“
Mich fröstelt, und die kühle Abendluft trägt nur einen kleinen Teil dazu bei. Auch sein Tonfall, dazu eine Portion Angst vor meinem eigenen Mut und vor dem Ungewissen.
„Okay, komm her. Wir müssen die Höhe testen.“
Ich muss Hals und Hände in den Pranger legen, wie sonst auch. Dann aber schiebt er mich mitsamt dem Metallkragen nach hinten, bis ich kaltes Metall an meinem Hintern spüre.
Er geht um mich herum. „Füße hoch, einer nach dem anderen.“ Mit seiner Hilfe und einem Griff um meinen Unterleib hebt er mich ein Stück an. Dann schiebt er nach, bis mein Hintern genau in die Öffnung passt. Jetzt weiß ich, wie es ablaufen soll. Ein Schauder schüttelt mich durch, dass der Metallfuß am Boden klappert.
Von draußen kommen Geräusche. Eine Autotür, noch eine. Stimmen werden lauter.
Mit einer Metallstange klemmt er den Pranger so ein, dass ich mich nicht rühren kann. Keine Chance, hier einfach rauszukommen.
„Es ist soweit. Kein Zurück mehr.“
Ja. Ich weiß. Mein Herz rast wie verrückt.
„Nicht hyperventilieren. Ich lass dich jetzt alleine, komme aber später wieder rein. Wenn du es absolut nicht mehr aushältst, sagst du dein Safeword, dann hole ich dich weg vom Loch. Hast du verstanden?“
„Ich habe verstanden.“
„Zuerst bleibe ich aber bei den Jungs. Ich möchte schließlich auch mitspielen.“
Scheiße. Ich werde also alleine sein. Alleine mit einem Trupp Männer. Jetzt weiß ich auch, dass es völlig egal ist, wie sie aussehen, ich werde keinen von ihnen zu Gesicht bekommen.
Dann macht es klick in meinem Kopf. Ich sehe mich von draußen, sehe das Bild, das sich den Typen bietet, als sie die Tür öffnen. Eine Wand mit einem kreisrunden Loch, aus dem ein Arsch schaut. Nur zwei Löcher, die benutzt werden können, sonst nichts. Klar kenne ich Filme mit Gloryholes, habe auch schon in einem Swingerclub einen Typen durch so ein Loch geblasen, aber das hier ist anders. Ja, ganz anders.
Ich bin wieder ganz auf mich konzentriert, höre die Männer kommen, sich unterhalten, das grobe Begrüßungsritual mit Schulterklopfen und sicher auch die ein oder andere Kopfnuss, die mit gespielten Drohungen beantwortet wird. Ich höre sie näherkommen. Wie viele sind es? Keine Ahnung, ich habe die Chance nicht genutzt, als ich die Zahl der Autotüren hätte zählen können, die zuknallten.
Sie werden leiser, wie ihre Schritte lauter werden. Etwas dringt in mich ein. Das feuchte Schmatzen kann ich hören, sehr laut sogar. Gelächter. Eine Mischung aus Anerkenntnis und abfälliger Häme.
Viele Finger. Viele Hände. Auch ein paar Schläge auf den Arsch, aber eher halbherzig, etwas schärfere Klatscher auf meine feuchte Spalte. Nicht, dass ich sie bräuchte, um mich anzumachen. Ich bin so scharf, dass ich platzen könnte. Wann? Wann ist es endlich soweit? Wann geht es los?
Dann denke ich nicht mehr, denn ein Schwanz schiebt sich in meine Muschi. Johlend gratulieren sie sich gegenseitig. Er verschwindet, ein anderer folgt. Ein Finger drängt in meinen Arsch und wieder johlen sie, als sie die Bereitwilligkeit entdecken, mit der meine Muskeln sich für sie öffnen. Nach und nach verstummen sie, dafür beginnt jetzt ein ernsthafter Fick.
Oh ja! Ich überlasse mich meiner Fantasie, die wirklich geworden ist. Sie benutzen mich. Und ich genieße es. Jeden Zentimeter, den sie in mich eindringen, jeden Schwanz, der mich füllt. Egal wo, welches Loch, wie hart oder tief. Ich komme, was wieder Johlen auslöst. Dann Beschimpfungen. „Geile Fotze!“ „Kannst nicht genug kriegen, Lochschlampe!“ Keine Ahnung, wie sie mich noch bezeichnen, ist mir auch egal. Es zählt nur eines. Sie benutzen mich, wie sie einen Masturbator benutzen würden, ein Ding. Einer nach dem anderen, einmal sogar zwei gleichzeitig.
Ich kann seinen Schwanz nicht von denen der anderen unterscheiden, aber es ist auch unwichtig. Er ist Teil des Ganzen. Irgendwann steht er vor mir, drängt seinen nach mir schmeckenden Penis in meinen nur zu bereitwilligen Mund, nimmt mich hart und tief. Ich spüre ihn bis in meinen Rachen, die anderen bis in meinen Bauch, tief in meinen Eingeweiden.
Der Feuerball hat sich gelöst, hat seine Finger in alle Extremitäten gesandt, befeuert meinen Unterleib, bis alles Hitze ist, Glut, orangerot glühende Lava. Schleudert mich stückchenweise davon, bildet eine harte Kruste, die immer wieder aufbricht oder aufgeschmolzen wird. Dass ich schreie, lustvoll stöhne, bettle, grunze, jammere, sagt er mir hinterher. In diesem Moment zählt es nicht. Ich bin nur. Ein Ding. Ein Etwas. Ein Nichts.
„Ich glaube, es hat dir gefallen.“
Zu mehr als einem schwachen Grinsen bin ich nicht fähig. Kaputt, eine gekochte Nudel, weichgefickt.
„Ich nehme das als ein Ja. Und das ohne Safeword.“
Versteht er mein Blinzeln? Scheint so.
„Da habe ich ja eine glückliche kleine Sub. Na, dann werde ich dich wohl nach Hause fahren müssen. Da können wir auch darüber reden, wenn du willst.“
Reden? Ach nein, ich will nicht reden. Nicht darüber und schon gar nichts zerreden. Während er mich zum Ausgang trägt, schaue ich zurück auf das Loch. Mein Loch. Mein Lustloch. Mein Gloryhole. Glorious hole. Glorious fucking hole.
Ich ziehe mich an seinem Hals hoch, um noch einen letzten Blick darauf zu werfen, ehe die Tür zufällt. Ja, es ist groß genug. Beim nächsten Mal mache ich das, was mir als Erstes in den Sinn kam. So hineinkriechen, dass sie meinen Unterkörper vor sich haben. Dann können sie mich auch schlagen dabei. Und tiefer ficken oder härter. Mich benutzen, wie sie es wollen.
Was kommt nach einem erfüllten Traum? Ein anderer, unerfüllter. Und noch einer und noch einer.

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