Im Pärchenkino Teil 1

Als ich neulich wieder einmal in dem Sexshop in der Hochstrasse war, wurde ich zufällig Zeuge eines Anrufes. Der Anrufer schien sich über einen Pärchenkinoabend zu informieren. Die Inhaberin gab dazu bereitwillig Auskunft und ich schnappte verschiedene Einzelheiten auf.
Getrieben durch meine Neugierde hakte ich nach Beendigung des Telefonates sofort ein. „Pärchenkino ? Das gibt es hier auch ? Ist das gut besucht ?“ , wollte ich nun noch mehr erfahren. Bereitwillig erzählte die Frau : „Ja, seit einigen Wochen gibt es hier bei uns in unserem Haus ein Pärchenkino. Ein weiteres in Bochum und eines in Essen. Nachdem wir einige Male von Damen angesprochen worden waren – die sich in dem gemischten Kino nicht wohl fühlten – , ob es nicht auch einmal einen reinen Pärchenabend geben könnte, wollten wir den Versuch dann doch einmal wagen. Zweimal haben wir nun in der „Happy Weekend“ annonciert und das Interesse nimmt ständig zu. Die Leute rufen unter anderem von sehr weit an. Ab 19.oo h ist das Kino geöffnet, dann kommen die Pärchen, bezahlen ihren Eintritt in Höhe von 20.- € und gehen dann hoch in einen der beiden Räume. Was die dann da oben machen, interessiert uns nicht. Aber da ist schon richtig was los, das sage ich ihnen.“

Beflügelt von diesen Informationen, brachte ich diese Nachricht wie ein Olympionike, der die Ziellinie als erster überschreiten muß, nach Hause zu meiner mich liebenden Frau.

Wir sind seit über siebzehn Jahren verheiratet und der Ehealltag hat uns eingeholt. Man macht sich hier und da schon so seine Gedanken sein Liebesleben etwas aufzupeppen. Der Möglichkeiten gibt es sicherlich viele. Hunderte von Ideen werden durchdacht, jeder von uns beiden auf seine Art und Weise.

Da wäre der Seitensprung, der eine Beziehung ganz sicher am ehesten belastet und ebenso sehr gefährdet. Dabei seien die unüberschaubaren gesundheitlichen Gefahren die er birgt einmal ganz außer Acht gelassen. Zu diesem Schritt wollten wir beide es nicht kommen lassen. Schließlich ist es große Liebe die uns verbindet, dieses inständige Gefühl von Verbundenheit und Zuneigung, wenn gleich manchmal Gewitterwolken unseren siebten Liebeshimmel trübten.

Kontaktmagazine haben wir schon oft gekauft und durchforstet, sogar schon einige Male, ohne durchschlagenden Erfolg, auf Annoncen reagiert. Vermutlich wäre dies die kontrollierteste Möglichkeit des außerpartnerschaftlichen Kontaktes. Die richtigen Leute dazu zu finden ist jedoch genau so schwer, wie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen zu suchen. Die Einen sind nur bi, die Nächsten sind Sado-Maso orientiert, andere wieder Raucher oder Extremfälle hinsichtlich ihres Aussehens – von oben bis unten gepierct, zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein usw.. Die Hoffnung einmal ein nettes Paar zu finden, die ähnliche Vorstellungen haben wie wir, trotzdem aber nicht zu unserem Bekanntenkreis gehören, haben wir trotzdem noch nicht gänzlich aufgegeben.

Dieses Problem beschäftigt uns auf jeden Fall schon eine geraume Zeit, ohne dass ein zufriedenstellendes Ergebnis dabei herausgekommen wäre. An diesem Dienstagabend gelang es mir aber im Rahmen einer ausgiebigen Diskussion, die anfänglich massiven Bedenken meiner Frau zu zerstreuen und sie zu einem Besuch in dem Pärchenkino zu bewegen.

Der folgende Freitag wurde in Angriff genommen und die Planungen begannen. Unsere Tochter mußte untergebracht werden. Alle anderen Termine wurden storniert. Kopfzerbrechen gab es über einzelne Details. Da es für uns absolutes Neuland war, ergaben sich eine Menge Fragen, deren Beantwortung es an Erfahrung bedurfte. Wie sollte man sich kleiden, was bräuchte man an zusätzlichen Accessoires ?

Ich hatte mir fest vorgenommen, an diesem Abend die Sau raus und meinem Trieb freien Lauf zu lassen ohne auch nur annähernd eine Ahnung zu haben, was uns denn erwartete. Meine Frau machte sich auch ihre Gedanken und fragte mich was sie anziehen sollte. Wir einigten uns auf einen Rock mit halterlosen Strümpfen und für oben etwas leicht Anheb- oder Entfernbares. Bei der Frage „Slip drunter“ oder „nix an“ entschieden wir uns für die Urversion: Slip drunter. Dafür aber ein Besonderer. Es war wohl der Aufregendste aus unserem Repertoire.

Endlich war der Abend gekommen. Unsere Tochter war bei Oma und Opa untergebracht. Wir aßen noch dort bevor wir uns auf den Weg machten. Zunächst fuhren wir nach hause um uns herzurichten. Schon während des Umkleidens tat sich eine fast unmerkliche Unsicherheit auf. Wir unterhielten uns auffallend wenig. Nur wenige Fragen wurden gestellt und beantwortet. Das war Beklommenheit in reinster Form, gemischt mit ein wenig Angst vor dem Unbekannten.

Da wir uns keine feste Zeit gesetzt hatten, war keine Eile geboten. Kurz nach 19.oo h setzten wir uns gedankenversunken in unser Auto und machten uns auf den Weg. Vierzig Minuten dauerte unsere Anreise und wir hatten die ganze Zeit über nichts gesagt. Jeder von uns dachte an das Folgende. Das Kino öffnete ja um 19.oo h bereits, würde aber bis um 24.oo h geöffnet sein. Kein Grund also zur Eile.

Noch vor 20.oo h erreichten wir unser Ziel. Einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe fanden wir nicht. War vielleicht auch gar nicht mal so schlecht. Doch nach kurzer Suche gab es dann doch noch eine freie Stelle am Strassenrand des Südwalles, einige hundert Meter von der Hochstrasse entfernt. Da es Freitag war, war die Stadt offensichtlich gut besucht. Wir schlenderten den Südwall entlang zur Hochstrasse, wobei ich meiner Frau gegenüber ein fast zu hohes Tempo vorlegte. Liebevoll hatte ich meinen Arm um sie gelegt, gerade so wie die jungen Pärchen es vor vierzig, fünfzig Jahren wohl auch gemacht haben mußten. Es gefiel mir. Ich hatte nun schon Spaß an dieser Situation.

Irgendwie hatte ich das Gefühl von der ganzen Welt beobachtet zu werden, gerade so, als würde jeder Passant meinen Gedanken entnehmen können was für uns an diesem Abend auf dem Programm stehen würde.

Wir waren angekommen. Ruhig lag die Hochstrasse vor uns. Zu unserer Rechten, der Sexshop in dem, beziehungsweise über dem sich das Kino befand. Unglücklicherweise stand just in dem Moment ein Mann mit einem Kinderwagen vor der Etalage. Vielleicht fünfzig Meter davon entfernt lief offensichtlich seine Frau mit zwei weiteren Kindern. Das wäre letztendlich der Gipfel der Peinlichkeit, wenn wir ausgerechnet in dem Augenblick den Laden betreten würden wenn die Familie unseren Weg kreuzt. Wir hatten aber Schwein. Sie liefen in die andere Richtung und der Mann war offensichtlich etwas länger vor dem interessanten Schaufenster vom Shop verweilt. Bevor wir den Eingang erreichten, war die Familie schon ein ganzes Stück entfernt.

Ohne lange zu zögern huschten wir flugs in den Eingangsbereich und verschwanden in unser kleines Abenteuer.

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