Hotelbesuch Teil 4

….Schwer atmend und schweißnass lagen sie auf dem Bett nebeneinander. Als die feuchte Haut auskühlte und langsam  unangenehm wurde, stand er auf, deckte sie vorsichtig zu und ging in das Bad. Sie lag still und regungslos, während nebenan die Dusche zu hören war. Einige Minuten später betrat stand er bereits angezogen vor dem Bett und betrachtete sie. Die dünne Decke ließ die Konturen ihres Körpers, den er in den vergangenen Stunden allein beherrscht hatte, durchscheinen.

 Ihr Brustkorb hob sich inzwischen langsamer und regelmäßig und aufgrund ihrer gefesselten Hände hatte sie sich in eine etwas bequemere seitliche Position gedreht. Ein letztes Mal streichelte er über sie und schob ein Handtuch zwischen Kissen und Gesicht. Dann ging er noch einmal zur Minibar und entnahm den Eisfach einen letzten, separat verpackten Eiswürfel.

 Nachdem er das Eis aus der Folie entnommen hatte, bedeutete er ihr durch einen leichten Druck auf ihre Wange, den Mund zu öffnen. Vorsichtig schob er ihr den Eiswürfel auf die Zunge, küsste sie sanft auf die Stirn, verpackte die gebrauchten Kondome in einer Plastiktüte und steckte diese mit seinen restlichen Utensilien in einem ledernen Pilotenkoffer, der hinter dem Sofa gestanden hatte. Ohne Hast verließ er das Zimmer, fuhr mit dem Lift er zur Rezeption hinunter, bezahlte die Rechnung in bar und war kurz danach in der U-Bahn-Station vor dem Hotel verschwunden.

 Der Eiswürfel schmolz langsam. Bei den ersten Malen hatte sie noch versucht, durch hektisches Lutschen das Schmelzen zu beschleunigen, aber nachdem sie sich einmal am Schmelzwasser verschluckt hatte und einen Hustenanfall bekommen hatte, war ihr klar geworden, dass es ihr nichts bringen würde, den kleinen Handschellenschlüssel, der im Eiskern verborgen war, durch das Zimmer zu spucken oder gar herunterzuschlucken.

 Es war auch so schon schwierig genug, sich mit verbundenen Augen und gefesselten Händen so auf dem Bett zu drehen um den Schlüssel zu greifen und die Handschellen zu öffnen. Doch auch dieses mal gelang es ihr reibungslos. Sie befreite sich, öffnete den schmalen Gurt der Augenbinde an ihrem Hinterkopf und blinzelte. Das abgedunkelte Zimmer schonte ihre Augen und nach wenigen Minuten betrat sie zum zweiten Mal an diesem Tag die Dusche des Hotelzimmers.

 Sie ekelte sich nicht vor diesem Mann, den sie nicht sehen durfte, aber sie mochte nicht mit dieser Mischung aus beider Schweiß und anderer Flüssigkeiten den Heimweg antreten. Aus einem ähnlichen  Grund putzte sie sich gründlich die Zähne und überlegte, welche Ausreden und Vorwände ihr diesmal nützlich sein könnten, um eine unbekleidete Begegnung mit ihrer Familie in den nächsten Tagen zu vermeiden.

 Es fiel ihr in dieser Zeit oft schwer, zärtliche Annäherungen ihres Mannes abzuwenden aber das war nun mal der Preis den sie und unwissenderweise auch er für ihre neu entdeckten Lust und Leidenschaft zu zahlen hatten.

 Frisch gemacht und angezogen ließ sie ihren Blick noch einmal durch das Zimmer schweifen. Das nasse Handtuch lag bei den benutzten Duschtüchern im Bad und sonst lag nichts mehr im Zimmer, was dort nicht hingehörte. Wie eben jeder andere Gast es auch verlassen würde. Aus der Manteltasche fischte sie das Handy, das sie nur sie diesem Zweck nutzte, und rief ein Taxi zum Hotel. Nach wenigen Minuten zog sie die Tür hinter sich zu, nahm die Treppe hinunter ins Foyer und ging mit ebenso festen Schritten, mit denen sie gekommen war, aus dem Hotel hinaus.

Sie ließ sich von dem Taxi in der Nähe einer Einkaufspassage in der Innenstadt absetzen und betrat nach wenigen Augenblicken den Bereich mit den Schließfächern. Dort holte sie ihre Handtasche mit ihrem normalen Handy, dem Portemonnaie mit ihren  Ausweispapieren  und dem Schlüsselbund ab. Nach einem kurzen Besuch der Toilette wusch sie sich noch einmal die Hände, prüfte das Make-up und legte einen Hauch ihres Alltagsparfüms nach.

 In einem Abfalleimer verschwanden die in einer undurchsichtigen Tüte eingewickelten Handschellen und die Augenbinde. Wenige Minuten später saß sie in ihrem Auto und war auf dem Weg nach Hause. Unterwegs holte sie aus einem Supermarkt noch einige Tiefkühlpizzen, die sie mit einem entschuldigenden Hinweis auf eine langwierige Besprechung in den Ofen schieben würde.

 Auf dem Supermarktparkplatz schaltete sie das Zweithandy aus und ließ es in einem der vielen Staufächer ihres Wagens verschwinden. In 24 Stunden würde sie wieder nachsehen, ob eine Nachricht von ihm eingegangen war.

 Die Garage stand offen und sie sah, dass ihr Mann bereits nach Hause gekommen war. An der Seite standen die Fahrräder der beiden Kinder. Durch die Seitentür betrat sie die Küche, legte die Einkäufe auf die Arbeitsplatte und ging ins Wohnzimmer durch. Ihre beiden Söhne stürmten ihr entgegen und ließen eine Begrüßung mit flüchtigen Küssen auf die Wangen über sich entgehen.

 Nachdem die Beiden sich auf dem Weg in ihre Zimmer machten, stand ihr Mann vor ihr. Sie umarmte ihn und gab ihm einen Kuss auf den Mund. Er erwiderte die Zärtlichkeit und strich ihr dabei über den Po. Als er dabei an eine besonders von Striemen übersäte Stelle traf, durchfuhr sie ein Schauder und sie gab sich Mühe, keine Reaktion zu zeigen.

 Während sie ihren Mantel auszog und im Wohnzimmer stehend etwas von der Besprechung, die so lange gedauert hatte, murmelte, stellte sie erfreut fest, dass ihr Mann bereits das Feuer im Kamin angemacht hatte. Unter einem Häufchen fein gespaltenen Holzes kräuselte sich ein Stück Papier, dass er zum Entfachen der Flammen benutzt hatte.

Vielleicht wäre, wenn ihr Mann einige Sekunden früher die Umarmung gelöst hätte, darauf noch das in Form einer goldenen Krone aufgedruckte Wappen zu erkennen gewesen.

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